Via dolorosa am KulturKirchort Dreifaltigkeit 20.02.2010
Ungewöhnlicher Kreuzweg der Künstlerin Lilian Moreno Sánchez
WIESBADEN. - Die chilenische Künstlerin Lilian Moreno Sánchez stellt während der Fastenzeit ab 19. Februar im Wiesbadener KulturKirchort Dreifaltigkeit (Frauenlobstraße 5) einen Kreuzweg der besonderen Art aus: 14 Stationen umfasst die von ihr gestaltete Via dolorosa, die in der Dreifaltigkeitskirche in einen spannungsvollen Rhythmus zu den steinernen, in die Seitenschiffswand eingelassenen Kreuzwegstationen des frühen 20. Jahrhunderts tritt.
Lilian Moreno Sánchez aktualisiert die vor allem seit dem Barock in der Ausstattung von Kirchenräumen übliche Form eines vierzehnteiligen Kreuzwegzyklus. Einfaches weißes Linnen ehemaliger Krankenhausbettwäsche dient ihrer Via dolorosa als Bildträger. Im Zentrum eines jeden Bildes steht der Mensch. Mit Röntgenstrahlen durchleuchtete Thoraxaufnahmen, die tatsächliche Mitte des Menschen, Platz seiner Seele und seines Herzen, bilden die gestalterische Mitte der Stationsbilder des Leidensweges Jesu Christi. Ein Bildzitat der italienischen Renaissance, jeweils ein schmaler Streifen aus der „Beweinung Christi“ von Sandro Botticelli (1445-1510), lädt als Eingangsimpuls zum Eintritt in die Station ein. Auch das Schriftbild ist mit goldenem Faden ausgeführt.
Den Textauszügen aus dem spanischen Buch Infarto del Alma – auf Deutsch Seeleninfarkt - der chilenischen Schriftstellerin Diamela Eltit sind Zitate aus deutschen Erste-Hilfe-Büchern gegenüber gestellt. Es finden sich Aussagen wie „Der Verletzte fühlt sich angesichts der Notsituation machtlos und ist verunsichert. Todesangst“. Die Bildtafeln überziehen Nähte, als wollten sie offene Wunden verschließen. Schönheit und Leiden, Göttliches und Menschliches finden sich in diesen Kreuzwegbildern von Lilian Moreno Sánchez nah beieinander. Das „Ecce homo! Siehe der Mensch!“ gewinnt hier eine neue Anschaulichkeit. Behutsam entfaltet die Künstlerin vor den Augen des Betrachters einen Kreuzweg, der in seiner Aktualität hier und jetzt zur Compassio, zum Mitleid, auffordert.
Zur Vernissage am 19. Februar um 18:30 Uhr wird die Künstlerin anwesend sein. Die Ausstellung ist bis zum 9. April in der Dreifaltigkeitskirche zu sehen. Öffnungszeiten sind mittwochs von 17 bis 19 Uhr und sonntags von 9 bis13 Uhr. Führungen werden am Samstag, 27. Februar, und am 27. März, jeweils um 16 Uhr angeboten, sowie nach Vereinbarung unter Telefon: 0611-174124 oder per Mail.s.husemann@bistum-limburg.de. Weitere Informationen im Internet unter http://www.kirche-und-kultur.de (sh/rei)

