Der Himmel im Spiegel des Weiblichen
Katalog zur Ausstellung im Wiesbadener Frauenmuseum
ist erschienen
WIESBADEN. – Auf der Spur von Madonnen und Marienbildern sind die Ausstellungsmacherinnen bis nach Telgte gefahren – wo sich im dortigen Heimatmuseum die Türen zum Depot öffneten. Unter anderem brachten sie eine frühneuzeitliche Anna Selbdritt, eine Kopie des Telgter Gnadenbildes und eine Pietà des Künstlers Dinnendahl von 1935 mit nach Wiesbaden als drei der 125 Exponate einer in dieser Art sicher einmaligen Schau. „Sag an, wer ist doch diese“ heißt die Ausstellung im Wiesbadener Frauen Museum, konzipiert in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung, Bildungswerke Wiesbaden und Rheingau, die noch das ganze Jahr über in vielfacher Weise zu Begegnungen mit Marienbildern und Göttinnenfiguren einlädt.
Damit etwas bleibt, wenn im Dezember die Exponate in Museen, Kirchen und private Sammlungen zurückgekehrt sind, ist jetzt mit dem umfangreichen Katalog ein „wunderschönes Pendant“ zur Ausstellung präsentiert worden. Mit großformatigen Farbfotos, ausführlichen Beschreibungen und einem Aufsatzteil bietet er „Spannendes zur Ausstellung und zu ihrem Hintergrund“, wie die Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung, Elke Wirtz-Meinert, bei der Vorstellung erklärte.
Die Hallgartener Madonna, die altsteinzeitliche Frau von Willendorf, Andachtsbilder und Vogelgöttinnen in einer Ausstellung vereint, „das entbehrt nicht einer gewissen Brisanz“, wie der Frankfurter Dekan Dr. Stefan Scholz in seinem Vortrag einräumte. Er warnte davor, trotz bestechender Analogien zwischen den Marienfiguren und den Göttinnen, „alles über einen Kamm zu scheren.“ Es komme durchaus nicht alles „aufs Gleiche raus“, damit werde man den Figuren nicht gerecht. Die bestehenden Berührungspunkte sind nach seinen Worten vor allem den Erfahrungen des Frauseins geschuldet und damit religionsübergreifend. Im zeitlichen Kontext, in den ihre Verehrung eingebettet sei, spiegelten Marienbilder und Göttinnen die jeweilige Stellung der Frau, betonte Dr. Scholz. Zu sehen sei der Himmel im Spiegel des Weiblichen und der Himmel selbst sei auch ein Spiegelbild dessen, wie Frauen verstanden worden seien.
Dass die sogenannte Frauenfrage eigentlich ein Männerproblem sei, schickte Ordinariatsrat Dr. Gotthard Fuchs seiner kurzen Ansprache voraus. Wirklich spannend sei es, die Geschichte der Männerphantasien zu erzählen, aber dafür müsse zuvor der „männliche Analphabetismus“ überwunden werden. Das emanzipierte Interesse an Gott und Göttin, an patriarchalen und matriarchalen Strukturen komme wesentlich aus der Bibel, sagte Fuchs, der für den Austellungskatalog einen Aufsatz zum Sinn katholischer Marienverehrung geschrieben hat. Ohne die biblischen Überlieferungen gebe es dieses weibliche und männliche Selbstbewusstsein und die reflektiert wahrgenommene Geschlechterdifferenz nicht.
Den Objekten die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie verdienen, darum warb Dr. Simone Husemann in ihrem Beitrag. Verantwortlich für den Bereich „Kirche und Kultur“ der katholischen Kirche Wiesbaden ist sie federführend an der Ausstellungskonzeption beteiligt und im Katalog mit mehreren Aufsätzen vertreten. Zu den Autorinnen gehört auch die Frankfurter Theologin Barbara Wieland, die sich unter anderem mit Marienwallfahrten in der Geschichte der Kirche beschäftigt.
Der Katalog ist ab 23. Juni im Handel und kostet 25 Euro. Den Vertrieb hat die Buchhandlung Angermann, Mauergasse 21 in Wiesbaden übernommen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 10. Dezember im frauen musem Wiesbaden, Wörthstraße 5.
Weitere Informationen bei der Katholische Erwachsenenbildung,
Bildungswerke Wiesbaden und Rheingau.
Friedrichstraße 26 – 28
65185 Wiesbaden
Tel.: 0611 174 – 120
E-Mail: keb.wiesbaden@bistum-limburg.de
Web: www.keb-wiesbaden.de
(rei)

